Mehr Steuern, gleiche Probleme: Kritik am aktuellen Tabaksteuer-Vorstoß
In der aktuellen politischen Debatte in Deutschland wird erneut über die Erhöhung der Tabaksteuer diskutiert. Anlass bildet ein Vorstoß führender Politiker, darunter der Drogenbeauftragte des Bundes, höhere Tabaksteuern einzuführen – unter anderem mit dem Ziel, die gesetzlichen Krankenkassen finanziell zu entlasten. Doch diese Vorschläge stoßen auf scharfe Kritik bei Interessenvertretern der E-Zigarettenbranche.
VdeH äußert scharfe Kritik
Der Verband des E-Zigarettenhandels e.V. (VdeH) bezeichnet die neuerlichen Pläne zur Tabaksteuererhöhung als kurz gedacht und kontraproduktiv. Nach Ansicht des Verbands würden sie das bestehende Problem des illegalen Handels verschärfen, anstatt es zu lösen.*
„Steuerpolitische Hebel allein lösen weder die finanzielle Schieflage der Krankenkassen noch tragen sie substantiell zur gesundheitlichen Verbesserung bei.“ – Oliver Pohland, Geschäftsführer des VdeH
Der VdeH warnt ausdrücklich davor, dass steigende Tabaksteuern Konsumenten weiter vom legalen Markt in den Schwarzmarkt drängen könnten – was nicht nur dem Staat schadet, sondern auch den Verbraucherschutz und den Jugendschutz gefährdet. **
Warum das Problem nicht einfach „mehr Steuern“ heißt
Steuererhöhungen gelten zwar gemeinhin als politisches Instrument, um Konsum zu reduzieren und Einnahmen zu steigern. Der VdeH argumentiert jedoch, dass diese Mechanismen in der Praxis nicht zwangsläufig die gewünschten Ergebnisse liefern. Stattdessen entstünden neue Herausforderungen:
- Verlagerung des Konsums in illegale Kanäle, die keiner Alterskontrolle oder Qualitätssicherung unterliegen. **
- Stärkere Präsenz organisierter Kriminalität durch Schwarzmarktgewinnung.**
- Wirtschaftliche Belastung für legale Händler und Hersteller.**
Anstatt weitere Steuererhöhungen zu fordern, rät der Verband zu einem konsequenteren Vorgehen gegen illegalen Handel. Effektive Kontrollen, Strafverfolgung und eine klare Regulierung könnten einerseits Mehreinnahmen sichern und andererseits Verbraucher und vor allem Jugendliche besser schützen. *
Wie sich die aktuelle Liquidsteuer auf die legalen Verkäufe von E-Liquids auswirkt
Die bereits in Deutschland eingeführte Steuer auf E-Liquids zeigt nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer deutlich, wie stark fiskalische Eingriffe den legalen Markt beeinflussen können. Seit Inkrafttreten der stufenweisen Besteuerung nikotinhaltiger und nikotinfreier Liquids sind die Preise im Fachhandel spürbar gestiegen. Für Verbraucher bedeutet das eine erhebliche Mehrbelastung – insbesondere bei regelmäßigem Konsum. Branchenvertreter berichten von rückläufigen Absatzzahlen im stationären Handel sowie von einer verstärkten Abwanderung hin zu grenzüberschreitenden Online-Angeboten und nicht regulierten Bezugsquellen. Dadurch geraten legale Händler zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, während dem Staat potenzielle Steuereinnahmen entgehen. Kritiker sehen hierin ein praktisches Beispiel dafür, dass hohe Verbrauchsteuern im sensiblen Bereich substituierbarer Produkte nicht automatisch zu stabilen Mehreinnahmen führen, sondern Marktverschiebungen begünstigen können.
Ein Blick nach Europa
Parallel zur nationalen Diskussion findet auch auf europäischer Ebene eine Debatte über die Überarbeitung der Tabaksteuerrichtlinie statt. Diese könnte die Steuerlandschaft für Tabak und verwandte Produkte in der EU deutlich verändern. Kritiker warnen jedoch davor, dass ein zu starker Fokus auf Steuererhöhungen auch hier Dieselben negativen Effekte haben könnte – nämlich eine Verlagerung in den Schwarzmarkt und die Vernachlässigung effektiver Gesundheits- und Konsumprävention.**
Fazit
Die Debatte um höhere Tabaksteuern ist komplex und politisch kontrovers. Während Befürworter auf fiskalische Einnahmen und gesundheitspolitische Effekte verweisen, macht der VdeH deutlich, dass simple Steuer-Erhöhungen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führen – im Gegenteil. Entscheidend sei ein kluger, ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur fiskalpolitische Symptome behandelt, sondern strukturelle Probleme wie Schwarzmarkt und Verbraucherschutz zielgerichtet angeht.
Quellen:
* VdeH: Kritik am Tabaksteuer-Vorstoß (VdeH, 02.02.2026).
** Entwurf zur EU-Tabaksteuerrichtlinie (EU Reporter).